Kleiner Schaden, große Wirkung

September 4th, 2007

Zugegeben, man mag es schon nicht mehr hören: Das mit aller Dramatik in der Stimme vorgetragene “Krack” des Monteurs in der Carglass-Werbung. Immer und immer wieder muss man als Radiohörer dieses Miniaturhörspiel in Form eines Funkwerbespots über sich ergehen lassen, mal in hessischer, mal mehr in schwäbelnder Tonart.

Wobei die Kernbotschaft natürlich richtig ist: Mit Steinschlägen in der Windschutzscheibe sollten Autofahrer nicht zu sorglos umgehen. Denn aus dem winzigen Krater im Glas wird unter ungünstigen Bedingungen schnell ein Riss. Und dann ist es zu spät für eine kostengünstige Reparatur mit Kunstharz. Ist die Scheibe erst einmal gerissen, muss sie ausgetauscht werden. Das übernimmt in den meisten Fällen zwar die Teilkaskoversicherung, doch immerhin muss der Autofahrer einen Teil der Kosten aus eigener Tasche tragen, weil die meisten eine Selbstbeteiligung von 150 Euro abgeschlossen haben. In vielen Fällen ist es sogar deutlich mehr, weil einige der besonders günstigen Versicherungstarife mit höheren Selbstbeteiligung kombiniert sind.

Wenn also der aufgewirbelte Stein des Vordermanns einen Macken hinterlassen hat, den Besuch in der Werkstatt nicht aufschieben. Einen nützlichen Tipp, Folgeschäden möglichst zu vermeiden, hat der Zentralverband Deutscher Autoglaser: Die Steinschlagstelle reinigen und danach einfach mit einem Stück Tesafilm durchsichtiger Klebefolie abkleben. Damit wird verhindert, dass Feuchtigkeit in den kleinen Krater eindringt und im Scheibeninnenleben mit seiner zerstörerischen Arbeit beginnt. Nils Wilhelm, Vorsitzender des ZDA: „Zuhause können Sie dann einen Autoglasbetrieb aufsuchen und sich unverbindlich beraten lassen, ob eine Reparatur noch sinnvoll ist oder Ihre Windschutzscheibe doch ausgetauscht werden muss.“

Repariert werden dürfen Steinschlagschäden nur dann, wenn sie sich nicht im direkten Fernsicht-Feld befinden. Darunter versteht man eine Fläche von 29 Zentimetern Breite oberhalb des Lenkrads.Diese Breite entspricht einem quer gehaltenen DIN A4-Blatt.

Autofahrer haben für die Reparatur ihrer Scheibe eine große Auswahl unter spezialisierten Unternehmen. Über die Internetseiten lassen sich mit Hilfe der Postleitzahlen-Suche leicht Betriebe in der Region finden.

Einige Links:

www.autoglaser.de
www.carglass.de
www.wintec-autoglas.de
www.scheibendoktor.de

steinschlag.jpg

Rosenkrieg um den Schadenfreiheitsrabatt

August 27th, 2007

Klar: Man kann den Scheidungskrieg auch übertreiben. Es muss dann nicht mit dem finalen Sturz vom Kronleuchter enden wie in der Hollywood-Farce “Der Rosenkrieg”. Oder wie erst jüngst in Berlin, als eine (betrogene?) Ex-Gattin ihrem Verflossenen das ihm gehörende halbe Auto auf den Kudamm stellte. Und das immerhin zu seinem Vorteil, schließlich hatte sie den Wagen an der B-Säule durchsägen lassen und ihm gnädigerweise den Part mit dem Lenkrad an den Straßenrand gestellt.

Aber inzwischen wird nicht mehr allein um das Sorgerecht für die Kinder oder mein Haus, mein Boot, mein Auto gestritten. Die Gerichte beschäftigen sich auch mit solch profanen Dingen wie dem gemeinsam erfahrenen Schadenfreiheitsrabatt. Zugegeben ein Streitgegenstand, der einiges Geld wert sein kann. Denn wer nach der Scheidung wieder ganz unten in der Versicherungsrabattstaffel anfangen und 125 Prozent der Versicherungsprämie zahlen muss, verliert im Laufe der Jahre eine Menge Geld im Vergleich zum Ex-Partner, der die Ergebnisse (vieler) unfallfreier Jahre in Form eines üppigen Schadenfreiheitsrabatts kassieren darf.

Das Landgericht Flensburg musste sich unlängst mit dieser Facette des Rosenkriegs auseinandersetzen: Der Wagen des einen Ehepartners war dummerweise nämlich auf den Namen des anderen versichert – eine Konstruktion, wie sie unter Eheleuten nicht unüblich ist, weil man so dank einer besser Schadenfreiheits-Einstufung das gemeinsame Haushaltskonto schont. Nach der Trennung führte das fast vorhersehbar zu Problemen: Denn während der eine die Versicherung mitsamt Auto mitnehmen wollte, sperrte sich die andere gegen die Übertragung der Versicherung.

Entschieden hat das Gericht (Aktenzeichen 1 T 30/06): Selbstverständlich kann der Ehepartner den Versicherungsvertrag mitnehmen. Vorausgesetzt, er ist das Auto in all den Jahren tatsächlich auch gefahren.

Ohne Helm mitschuldig am Unfall?

August 17th, 2007

Haben Radfahrer eine Mitschuld am Unfall, wenn sie keinen Helm tragen und deshalb Verletzungen erleiden? Über diese Frage, die erhebliche Auswirkungen bei der Festsetzung von Schmerzensgeld oder Schadensersatz hat, wird wohl über kurz oder lang der Bundesgerichtshof entscheiden – nachdem der erste Zivilsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf innerhalb weniger Monate zwei auf den ersten Blick sehr konträre Urteile gefällt hat, wie der lawblog berichtet.

In dem jüngst entschiedenen Fall war eine Fußgängerin über den Radweg gelaufen, beim Bremsversuch stürzte ein Radfahrer und verletzte sich schwer. Das Landgericht sprach ihm, weil er keinen Helm trug, eine Teilschuld von 70 Prozent zu, das Oberlandesgericht kassierte diese Entscheidung nun aber.

“Mit diesem Urteil (I -1 U 278/06) wächst seine Chance auf Schmerzensgeld und Schadensersatz. Beides verlangt er von der Frau, war jedoch beim Landgericht Düsseldorf gescheitert. Das hatte ihm noch eine Mitschuld von 70 Prozent angerechnet”, schreibt der lawblog und setzt hinzu: “Ausgerechnet der 1. OLG-Senat sieht das nun völlig anders. Der hatte noch im Februar einem 67-jährigen Hobby-Rennradfahrer den fehlenden Helm übel angerechnet. Dieses Hin und Her erklärte der Senat gestern mit seiner „differenzierten“ Sichtweise. Mit Blick auf die völlig unterschiedlichen Fahrweisen und die damit einhergehenden Gefahren und Risiken sei es geboten, eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Radfahrergruppen vorzunehmen und dabei auch die Verkehrssituation zu berücksichtigen.

Definitiv geklärt wird die Frage “Helm oder nicht Helm” aber wohl erst, wenn sich der Bundesgerichtshof mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Die Düsseldorfer Richter ließen die Revision beim BGH zu. Möglicherweise bringt der Spruch der Bundesrichter in letzter Konsequenz das, was der Gesetzgeber bislang nicht anordnen will: die Helmpflicht für Radfahrer.

Vernunft vs. Bürokratie

August 17th, 2007

Vielleicht sollte man große Behörden, wie zum Beispiel Versicherungsträger, zwischendurch einfach immer mal wieder daran erinnern, wozu sie da sind: Nämlich nicht, einigen tausend Angestellten oder Beamten einen sicheren, ordentlich bezahlten und auch noch im Winter gut geheizten Arbeitsplatz zu garantieren. Sondern der arbeitenden Bevölkerung, die mit ihren Versicherungsbeiträgen und Steuern dafür sorgt, dass diese Apparate am Laufen gehalten werden, ein Stück weit soziale Sicherheit zu gewährleisten.

Klingt das böse? Eigentlich fallen einem nur noch viel bösere Worte ein, wenn man sich einmal anschaut, womit Bürokraten die Sozialgerichte beschäftigen.

Ein Fall, wie er jedem Arbeitnehmer passieren kann: Er fährt von der Arbeit nach Hause. An einer engen Stelle knallt der Außenspiegel seines Fahrzeugs mit dem Spiegel des entgegenenkommenden Autos zusammen. Klarer Fall: Wer jetzt weiterfährt, macht sich strafbar, “unerlaubtes Entfernen vom Unfallort” nennt dies der Jurist, der Volksmund Fahrerflucht. Also, was tun? Wenn beide Fahrer sofort anhalten und stehenbleiben, bis sie die Schuldfrage geklärt haben oder sich darauf einigen, dass jeder seinen Schaden selbst zahlt, ist die Straße blockiert. Einer der beiden Autofahrer handelt also vernünftig, wendet und stellt sich auf der anderen Straßenseite hinter den Unfallgegner.

Hätte er nicht tun sollen, meint die Berufsgenossenschaft im Fall eines Limburger Autofahrers. Denn dadurch habe er seine Heimfahrt unterbrochen, und damit ende der Versicherungsschutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Das “eigenwirtschaftliche Handeln zur Verfolgung privater Schadensersatzansprüche” sei nicht unfallversichert, und damit verweigerte die Berufsgenossenschaft sämtliche Ansprüche des Autofahrers, der während der Unfallaufnahme von einem weiteren Auto angefahren und schwer verletzt wurde.

Diese Argumentation schlugen die Richter des Sozialgerichts Darmstadt der Berufsgenossenschaft jedoch um die Ohren. Die Unterbrechung der Fahrt habe in direktem Zusammenhang mit dem Heimweg gestanden und sei daher versichert gewesen. Zwar habe der Kläger gewendet und damit den direkten Heimweg nicht fortgesetzt, aber Regulierungsgespräche nach einem Unfall dienten nicht nur der Sicherung privater Ansprüche. Die Straßenverkehrsordnung schreibe sie den Unfallparteien vielmehr vor, denn wer einen Unfallort einfach verlasse, begehe bekanntlich Fahrerflucht.

Der zweite Unfall, bei dem der Kläger verletzt wurde, habe sich in direktem zeitlichen und örtlichen Zusammenhang mit dem auf dem Heimweg erlittenen Unfall ereignet. Die Versicherung sei daher verpflichtet, den Unfall als Arbeitsunfall anzuerkennen und zu entschädigen ((Aktenzeichen: L 3 U 25/07).

Werber unter Strom

Juli 20th, 2007

Da hatten die Werber der amerikanischen Automarke Dodge aber eine ganz tolle Idee für einen Spot. SPIEGEL ONLINE beschreibt den Werbeclip so:

Erst schnüffelt der Hund genüsslich am Reifen, dann hebt er das Bein – im nächsten Moment ist er von hellen Blitzen umgeben und geht dann in Flammen auf. “Geladen mit Adrenalin”, endet der Reklamespot für den Chrysler* Dodge Nitro, in dem das Tier vom Schlag getroffen wird.

Ach, kommt Ihnen irgendwie bekannt vor? Ja, Mazda hat sein Kompaktmodell Mazda 3 mit einem ähnlichen Clip beworben. In dem schnüffelt der schwarz-weiße Struppi einmal ums Auto, hebt dann am rechten Vorderrad das Bein – aber der Wasserstrahl der Scheinwerferreinigung ist schneller.

Das Abkupfern von guten Ideen bleibt im Werbegeschäft leider viel zu oft ungeahndet. Aber im Fall des verschmorten Dodge-Vierbeiners traf die Werber der Blitz – in Form geharnischter Proteste und eines umgehenden Rückziehers ihres Auftraggebers, schreibt spiegel.de.

Tierschützer fanden das von der niederländischen Vertretung der Werbeagentur BBDO entwickelte Filmchen gar nicht witzig. Nach massiver Kritik entschuldigte sich Chrysler: “Die Chrysler Gruppe hat bestürzt entdeckt, dass eine Werbung, die von einer Agentur, die unseren Auftritt auf dem niederländischen Markt unterstützt, weit über die Grenzen dessen hinausgeht, was das Unternehmen als angemessen ansieht.”

Dumm gelaufen.

* Auch spiegel.de ist bei Namensbezeichnungen nicht unfehlbar.

Fahrtenbuch mit Erlebniswert

Juli 4th, 2007

Wer seinen Dienstwagen auch privat nutzen darf, muss diesen geldwerten Vorteil versteuern. Das funktioniert meist über die Pauschalmethode, die Ein-Prozent-Regelung. Das zu versteuernde Gehalt des Mitarbeiters erhöht sich jeden Monat um ein Prozent des Fahrzeug-Listenpreises (abgerundet auf glatte 100 Euro).

Dienstwagenfahrer, die 5000 Euro brutto verdienen und zum Beispiel einen Audi A4 Avant 2.0 TFSI bewegen (Preis inklusive einiger Extras 38540 Euro), versteuern zusätzlich zum normalen Gehalt 385 Euro. Außerdem erhöht sich das Monatsbrutto noch um 0,03 Prozent des Listenpreises pro Entfernungskilometer zwischen Wohnung und Betrieb. Bei zehn Kilometern summiert sich das beim Muster-Audi auf 115 Euro im Monat. Insgesamt steigert der Dienstwagen im Beispiel das Jahresbrutto um 6000 Euro. Das bedeutet beim beschriebenen Gehalt eine Steuerbelastung von rund 2500 Euro.

Das klingt auf den ersten Blick viel. Angesichts der Tatsache, dass der Arbeitgeber das Auto stellt und die Kosten übernimmt, sind die rund 200 Euro Steuer im Monat aber konkurrenzlos günstig im Vergleich dazu, sein Auto aus der eigenen Tasche zu zahlen.

Aber da niemand gerne Steuern zahlt, gibt es den Ausweg, ein Fahrtenbuch zu führen. Das lohnt sich dann, wenn der Anteil der privat gefahrenen Kilometer sehr niedrig ist.

Anhand des Fahrtenbuchs ermittelt man den tatsächlichen Nutzungswert. Dafür muss man die Kosten für das Auto, die dem Arbeitgeber entstanden sind, auflisten. Das sind Leasingkosten, Steuer, Versicherung sowie Reparatur- und Betriebskosten. Dann wird anhand des Fahrtenbuchs errechnet, wie hoch der Privatanteil lag. Ergeben die Aufzeichnungen zum Beispiel 20 Prozent Privatfahrten, so bedeutet dies bei Gesamtkosten von 10000 Euro im Jahr einen Nutzungswert von 2000 Euro. Das ist natürlich erheblich weniger als die oben genannten 6000 Euro über die Pauschalmethode – unter dem Strich eine Steuerersparnis von rund 1700 Euro.

Um vom Finanzamt anerkannt zu werden, muss das Fahrtenbuch folgende Einträge aufweisen:
Datum und Kilometerstand bei Beginn und Ende einer Fahrt
Reiseziel, Zweck der Reise und Name des Gesprächspartners
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsplatz
Privatfahrten (nur Datum und Kilometerstand)

Um sich den Aufwand mit den Aufzeichnungen zu ersparen, kann man das Auto mit einem elektronischen Fahrtenbuch ausrüsten, das anhand der GPS- und Kilometerzählerdaten die gefahrenen Strecken ermittelt und diese speichert. Die anderen notwendigen Angaben werden manuell eingegeben.

Dass ein solches elektronisches Fahrtenbuch aber auch die Chance bietet, einmal exakt nachzuverfolgen, wie ausgiebig die Werkstatt während der Inspektion auf Probefahrt geht – und wohin die Spritztour führt -, beschreibt der Rechtsanwalt Udo Vetter in seinem law blog:

“Ein Mandant erzählt mir beiläufig vom Navigationssystem, das er importiert hat. Das Gerät führt gleich ein Fahrtenbuch. Es schickt auf Wunsch nach jeder Fahrt ein Routenprotokoll per Mail. Letzteres war der Werkstatt, in welcher der schicke Wagen zu einer mehrtägigen Reparatur war, anscheinend nicht bekannt.

Die unverschämt hohe Kilometerzahl lässt sich vielleicht noch mit “Testfahrten” rechtfertigen. Dass die Touren aber ausschließlich an Ziele gingen, wo man(n) sich vergnügen kann, wäre sicher schwerer zu erklären. Vor allem angesichts der Pausen, in denen das Fahrzeug laut Navi auf den Parkplätze einschlägiger Etablissements stand…”

Es ist halt wie immer: Man darf viel machen – nur erwischen lassen sollte man sich nicht.

Ausgebremst

Mai 23rd, 2007

Wenn es darum geht, die immer noch zögernden Neuwagenkäufer in die Autohäuser zu locken, fällt den Herstellern und Importeuren immer wieder etwas ein. VW zahlt seinen Händlern, zusätzlich zu allen anderen verkaufsfördernden Maßnahmen, eine “Eroberungsprämie” von bis zu 3000 Euro, wenn sie einen Neukunden von der Konkurrenz abwerben und ihm einen Phaeton oder Touareg verkaufen. Diese Prämie macht es dem Händler leichter, auf seine Marge (weitgehend) zu verzichten und dem Käufer üppige Prozente anzubieten.

Gerne wird auch die Methode eingesetzt, die der Chef einer großen Autobank mit den Worten umschreibt: “Mit seinem neuen Auto bekommt der Kunde ein Bündel Geldscheine im Handschuhfach mitgeliefert.” Die Rede ist von Inzahlungnahmeprämien.

Gibt der Neuwagenkäufer seinen Gebrauchtwagen in Zahlung, bekommt er, frei nach dem Motto von Aal-Dieter, nicht 1000, nicht 2000, auch nicht 3000, nein volle 4000 Euro mehr, als die Schwacke-Liste hergibt. Manchmal ist der Zuschlag noch höher, aber 4000 Euro ist schon ein Wort; speziell, wenn dieser Betrag beim Absatz von Klein- oder Kompaktwagen eingesetzt wird. Bei einem Neuwagenwert von 20.000 Euro sind 4000 Euro Bonus für den Käufer ja schon glatte 20 Prozent Rabatt.
Aktuell bietet Fiat zum Beispiel in Hamburg 4000 Euro über Schwacke beim Kauf eines neuen Bravo – aber gezielt für Astra-Besitzer.

Dieser Versuch, gezielt beim Wettbewerber Opel zu wildern, geht aber werbetechnisch schwer in die Hose, wie Spießer Alfons, Kult-Kolumnist beim Branchenblatt Horizont, unter der Überschrift “Spießer Alfons und die Werbetrottel” genüsslich auseinanderpflückt. Die Hamburger Fiat-Niederlassung wirbt nämlich unter dem Slogan:

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Und wie beurteilt der Werbeexperte eine solche Aussage? Spießer Alfons im O-Ton:

“Ja, liebe Freunde der Werbung, es ist zwar nett, wenn man das Produkt eines Wettbewerbers über den grünen Klee lobt, aber dann sollte man auch ein paar nette Werbeworte über das eigene Automobil verlieren und dem Opel-Fahrer erklären, warum dieser auf den Tausch mit Zuzahlung eingehen soll! Denn warum sollte ein zufriedener Opel-Kunde, dem der Astra lieb und teuer ist, sich plötzlich für die Marke Fiat interessieren…?”

Ja, warum sollte er eigentlich?

Das Geheimnis der Buchstaben und Ziffern

Mai 11th, 2007

Der Reifenhersteller Goodyear warnt: Bevorzugt über das Internet werden, so das Unternehmen, nicht für den europäischen Markt bestimmte Reifen in Deutschland verkauft. Wer diese Reifen montieren lasse, riskiere seinen Versicherungsschutz, da durch die nicht zugelassenen Reifen die Betriebserlaubnis des Fahrzeugs erlösche.

Allerdings sind diese Grauimporte recht leicht zu erkennen, da ihnen die vollständige, mindestens sechsstellige Genehmigungsnummer neben dem E in einem Kreis fehlt. Diese Genehmigungsnummer findet sich auf der Reifenflanke. Auf unserer Grafik ist sie zu finden unter Punkt 7.

Wer Reifen vor dem Kauf anschauen kann, hat somit leicht die Gelegenheit, die Existenz dieser Genehmigungsnummer zu überprüfen – und nebenher anhand der DOT-Nummer zu schauen, wie alt oder frisch die angebotenen Pneus sind (siehe Punkt 8). Beim Kauf im Internet besteht diese Chance nicht. Hier muss man darauf achten, bei seriösen Anbietern zu bestellen, und wenn tatsächlich Reifen ohne die vollständige Genehmigungsnummer geliefert werden, vom Rückgaberecht Gebrauch zu machen.

reifen_illu.jpg

Diese Angaben finden Sie auf dem Reifen:

1 Hersteller (Markenname oder Firmenlogo)

2 Produktname

3 Größenbezeichnung
205: Reifenbreite in Millimetern
55: Verhältnis Höhe zu Breite in Prozent
R: Radialreifen
15: Felgendurchmesser in Zoll

4 Tragfähigkeitskennzahl und Geschwindigkeitsklasse
87 Load Index, maximale Gewichtsbelastung von 545 Kilogramm pro Reifen
V Geschwindigkeitsklasse bis 240 km/h (siehe Tabelle weiter unten)

5 Tubeless, also schlauchlos

6 Normierung
E: Reifen erfüllt ECE-Norm R30
4: Code für das Land, in dem die Prüfung der Norm stattfand (4: Niederlande)

7 Zulassungsnummer nach ECE R30

8 und 9 DOT-Nummer
DOT bedeutet Department of Transportation, also das US-Verkehrsministerium. Es ist zuständig für Reifensicherheitsnormen. Die ersten Ziffen unter 8 geben Aufschluss, in welcher Fabrik des Herstellers der Reifen produziert wurde. Entscheidend für die Frische des Reifen sind die letzten vier Ziffern: Sie geben an in welche Woche und in welchem Jahr der Pneu hergestellt wurde. 0100 bedeutet: die erste Woche des Jahrs 2000. Unsere Grafik ist schon ein wenig älter – sieben Jahre alte Pneus sollten auf keinen Fall mehr montiert werden. Die lange Lagerzeit hat die Gummimischung altern lassen, da nützt auch das schöne Profil nichts mehr.

10 TWI, der Profilabnutzungsanzeiger
Tread Wear Indicator sind kleine Quersteige in den Profilrillen, die sichtbar werden, wenn das gesetzlich erlaubte Mindestprofil von 1,6 Millimetern erreicht wird.

Die folgenden Kennzeichnungen gelten nur für Länder außerhalb Europas.

11 Herstellungsland

12 US-Lastkennzeichnung
Max. Load Rating 545 Kilogramm entsprechen 1201 amerikanischen Pfund (lbs)

13 Reifenaufbau
Tread und Sidewall geben an, wie der Reifen aufgebaut ist. In diesem Fall unter der Lauffläche mit einer Lage Kunstseide (Rayon), zwei Stahlgürtel- und einer Nylonlage sowie im Unterbau mit einer Lage Kunstseide.

14 Luftdruck
US-Begrenzung für maximalen Luftdruck. In diesem Fall 44 Y (psi), das sind etwas mehr als drei bar. 14,5 psi sind ein bar.

15, 16 und 17: Garantien für den US-Markt, in denen der Hersteller die Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien zusichert.
15 Treadwear. Relative Lebenserwartung des Reifens, bezogen auf einen US-Standardtest
16 Traction. Nassbremsverhalten des Reifens, angegeben mit den Buchstaben A, B oder C
17 Temperature. Temperaturfestigkeit des Reifens bei höheren Prüfstandgeschwindigkeiten, angegeben mit den Buchstaben A, B oder C. C genügt den gesetzlichen Anforderungen in den USA

Grafik: Conti

Tempo, Tempo: Das verraten die
Buchstaben des Geschwindigkeitsindex

Q: bis 160 km/h
R: bis 170 km/h
S: bis 180 km/h
T: bis 190 km/h
H: bis 210 km/h
V: bis 240 km/h
ZR: über 240 km/h
W: bis 270 km/h
Y: bis 300 km/h

Darf ich Sie zur Mutter machen?

Mai 4th, 2007

Das Jahr begann für die Autobranche in Deutschland so, wie es Experten vorhergesagt hatten: Nach den Rekordverkäufen Ende 2006 brach der Markt ein. Folge der Kaufzurückhaltung: Der Rabattkrieg wurde noch einmal angeheizt.

Der treibt zum Teil recht skurrile Blüten. Jüngstes Beispiel, gerade heute frisch auf den Tisch: Wer zwischen dem 8. und 12. Mai beim freundlichen Chevrolet-Händler vorreitet und einen Neuwagen bestellt, erhält bis zu 20 Prozent Nachlass auf den Listenpreis. Die 20 Prozent gibt es aber nur für die Modelle Rezzo und Epica, beim noch neuen SUV Captiva sind es 14 Prozent.

“Komm mit Mama” hat der GM-Ableger seine Aktion getauft, schließlich ist ja jetzt bald Muttertag, und das weist auf eine andere Bedingung hin, den Rabatt abzustauben: Die Käuferin muss selber eine Mutter sein, und damit Männer sich nicht diskriminiert fühlen, reicht es auch, eine dabei zu haben. Es muss nicht einmal die eigene sein. Die nette Nachbarin, die eigene Ehefrau, eine Kollegin: Hauptsache Mutter.

Damit auch für alle Eventualitäten gesorgt ist: Chevrolet gibt den Rabatt auch an alle Frauen, die “Mama werden”, wie es auf der Chevrolet-Homepage heißt. Keine Bange, der besorgte Verkäufer wird nicht nach dem Mutterpass fragen; und wenn ihm mit dem Blick auf den wenig gerundeten Bauch doch die Frage herausrutschen sollte nach dem Zeitpunkt der Schwangerschaft: Mit der Antwort “seit knapp einer Stunde” lässt sich testen, ob der junge Mann noch rot wird.

Wenn es denn aber weder Chevrolet sein soll oder Mutti nicht will, bleibt immer noch der Weg zu Händlern anderer Marken. Die geizen auch nicht mit Prozenten, verstecken diese aber immer öfter in Servicepaketen: Versicherung, Garantie, Übernahme der Inspektionen und vor allem die Sonderzins-Finanzierung summieren sich bei einzelnen Herstellern auf mehr als 20 Prozent Nachlass.

“Incentives und Rabatt-Aktionen haben im März 2007 einen neuen Höhepunkt erreicht. Insgesamt 168 offen kommunizierte Hersteller-Aktionen für den Privatkundenmarkt haben wir in unserer neusten Erhebung erfasst”, bilanziert Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Wieviel die angebotenen Pakete als Rabatt wert sind und zu welchen Zinsen sich aktuell Neuwagen finanzieren lassen, zeigt die Übersicht der 14 meistverkauften Marken.

zinskonditionen.pdf

Panne beim Gesetzgeber

April 26th, 2007

Huch, da haben wir was vergessen…

Ist ja auch immer so viel zu erledigen beim Gesetzemachen. Man muss doch tatsächlich in den zwei, drei oder vier Jahren, die so bleiben bei der Umsetzung europäischer Verordnungen in deutsches Recht, auch noch daran denken, entsprechende Bußgeldverordnungen gleich anzupassen. Da kann den vielen Mitarbeitern in den beteiligten Ministerien, den gutbezahlten, aber natürlich hoffnungslos gestressten Bundestagsabgeordneten und natürlich auch den via Bundesrat eingebundenen Beamten und Politikern aus den Bundesländern schon mal was durchgehen.

Worum es geht? Um die Sicherheit auf deutschen Straßen. Seit 11. April gilt für Lastwagenfahrer eine neue Ruhe- und Lenkzeitverordnung. Was seit 11. April nicht mehr gilt, zumindest nach Meinung des Amtsgerichts Itzehoe: Der dazu passende Bußgeldkatalog. Der blieb im Abstimmungswirrwarr zwischen Bund und Ländern nämlich so, wie er bislang war – und ist damit hinfällig. Die Richter in Schleswig-Holstein vertreten damit durchaus keine Einzelmeinung. Lastwagenfahrer, die gegen die Lenkzeitbestimmungen verstoßen und dabei erwischt werden, erhalten zum Beispiel in Hamburg ein paar mahnende Worte, aber kein Bußgeld als Strafe mehr, berichtet das Hamburger Abendblatt: “Ämter im Hamburg bearbeiten die Bescheide nicht mehr.”

Ist ja halb so wild, liest der unbefangene Beobachter aus der Stellungnahme des Bundesverkehrsministeriums im Abendblatt heraus, spätestens im Juni gibt es ja den neuen Bußgeldkatalog. Der dürfte dann die Hürde Bundesrat passiert haben – die Ländervertretung sei es schließlich auch gewesen, die durch Änderungswünsche den Zeitplan torpediert habe.

Allerdings ist die Watsche aus der Justiz für den Gesetzgeber etwas heftiger, als man sich das in Berlin erhofft hatte. Zugegeben, das Urteil (urteil.pdf) des Amtsgerichts Itzehoe ist noch nicht rechtskräftig, aber eindeutig: Nach Ansichts des Gerichts fallen nämlich nicht nur neue Verstöße in die Gesetzeslücke, sondern auch alte. Das Amtsgericht sprach einen Fahrer frei, der im vergangenen Sommer erwischt worden war, weil er viel zu lange hinter dem Lenkrad gesessen hatte und deshalb ein Bußgeld von rund 1500 Euro zahlen sollte.

“Der Betroffene war aus rechtlichen Gründen freizusprechen. Das dem Betroffenen im Bußgeldbescheid vom 15.08.2006 vorgeworfene Verhalten kann seit dem 11.04.2007 nicht mehr als Ordnungswidrigkeit geahndet werden.”

Wieviel Geld der Staatskasse dadurch entgeht, darüber gehen die Meinungen auseinander. Bis zu 500 Millionen Euro malen Pessimisten als größen anzunehmenden Ausfall an die Wand. Vermutlich wird der Betrag kleiner sein.

Der nette Herr von der großen Bank in Frankfurt würde es “Peanuts” nennen…