Archive for the ‘Geld’ Category

Darf ich Sie zur Mutter machen?

Freitag, Mai 4th, 2007

Das Jahr begann für die Autobranche in Deutschland so, wie es Experten vorhergesagt hatten: Nach den Rekordverkäufen Ende 2006 brach der Markt ein. Folge der Kaufzurückhaltung: Der Rabattkrieg wurde noch einmal angeheizt.

Der treibt zum Teil recht skurrile Blüten. Jüngstes Beispiel, gerade heute frisch auf den Tisch: Wer zwischen dem 8. und 12. Mai beim freundlichen Chevrolet-Händler vorreitet und einen Neuwagen bestellt, erhält bis zu 20 Prozent Nachlass auf den Listenpreis. Die 20 Prozent gibt es aber nur für die Modelle Rezzo und Epica, beim noch neuen SUV Captiva sind es 14 Prozent.

“Komm mit Mama” hat der GM-Ableger seine Aktion getauft, schließlich ist ja jetzt bald Muttertag, und das weist auf eine andere Bedingung hin, den Rabatt abzustauben: Die Käuferin muss selber eine Mutter sein, und damit Männer sich nicht diskriminiert fühlen, reicht es auch, eine dabei zu haben. Es muss nicht einmal die eigene sein. Die nette Nachbarin, die eigene Ehefrau, eine Kollegin: Hauptsache Mutter.

Damit auch für alle Eventualitäten gesorgt ist: Chevrolet gibt den Rabatt auch an alle Frauen, die “Mama werden”, wie es auf der Chevrolet-Homepage heißt. Keine Bange, der besorgte Verkäufer wird nicht nach dem Mutterpass fragen; und wenn ihm mit dem Blick auf den wenig gerundeten Bauch doch die Frage herausrutschen sollte nach dem Zeitpunkt der Schwangerschaft: Mit der Antwort “seit knapp einer Stunde” lässt sich testen, ob der junge Mann noch rot wird.

Wenn es denn aber weder Chevrolet sein soll oder Mutti nicht will, bleibt immer noch der Weg zu Händlern anderer Marken. Die geizen auch nicht mit Prozenten, verstecken diese aber immer öfter in Servicepaketen: Versicherung, Garantie, Übernahme der Inspektionen und vor allem die Sonderzins-Finanzierung summieren sich bei einzelnen Herstellern auf mehr als 20 Prozent Nachlass.

“Incentives und Rabatt-Aktionen haben im März 2007 einen neuen Höhepunkt erreicht. Insgesamt 168 offen kommunizierte Hersteller-Aktionen für den Privatkundenmarkt haben wir in unserer neusten Erhebung erfasst”, bilanziert Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer.
Wieviel die angebotenen Pakete als Rabatt wert sind und zu welchen Zinsen sich aktuell Neuwagen finanzieren lassen, zeigt die Übersicht der 14 meistverkauften Marken.

zinskonditionen.pdf

Nächste Schlappe für den Fiskus

Dienstag, März 27th, 2007

Verstößt die Kürzung der Pendlerpauschale, die am 1. Januar 2007 in Kraft getreten ist, gegen das Grundgesetz? Ein zweites Finanzgericht in Deutschland hat diese Frage mit einem klaren “Ja” beantwortet und deshalb das Bundesverfassungsgericht angerufen. Möglicherweise hat Finanzminister Peer Steinbrück demnächst ein Milliarden-Euro-Problem.

Zum Verständnis: Bis Ende des vergangenen Jahres konnten Berufstätige jeden Kilometer ihres Arbeitswegs (einfache Strecke) mit 30 Cent pro Kilometer als Werbungskosten in der Steuererklärung geltend machen. Wer beispielsweise an 230 Tagen im Jahr 25 Kilometer zwischen Wohnung und Arbeitsplatz pendelte, hatte somit Werbungskosten von 1725 Euro, die je nach Steuersatz gut und gerne 500 bis 600 Euro Steuerrückzahlung brachten.

Das ist seit Jahresanfang vorbei. Kilometerkosten können nur noch von der Steuer abgesetzt werden, wenn die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsplatz mindestens 21 Kilometer beträgt. Die ersten 20 Kilometer fallen dabei völlig unter den Tisch. Mehr als zwei Milliarden Euro Mehreinnahmen verspricht sich die Bundesregierung von der Streichung in diesem Jahr, in den folgenden Jahren soll dieser Betrag auf rund fünf Milliarden Euro steigen.

Vermutlich muss das Bundesfinanzministerium umplanen. Denn mit dem Finanzgericht des Saarlands in Saarbrücken hat heute bereits das zweite Finanzgericht die Kürzung als nicht verfassungsgemäß eingestuft (Aktenzeichen 2 K 2442/06). Die Kürzung verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz und gegen den im Grundgesetz verankerten Schutz von Ehe und Familie. Wenn beide Ehepartner berufstätig seien, hänge die Wahl des Wohnorts nicht allein von privaten Überlegungen ab. So ähnlich hatte vor kurzem auch das Niedersächsische Finanzgericht geurteilt (Aktenzeichen 8 K 549/06) und ebenfalls die Verfassungsrichter in Karlsruhe angerufen.

Nach diesem ersten Urteil hatte ein Sprecher des Bundesfinanzministerium noch süffisant erklärt, die Finanzrichter in Niedersachsen seien bekannt für solche Fehleinschätzungen und würden regelmäßig vom Bundesfinanzhof auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

Auf dem landet, so lässt das Urteil von heute eher vermuten, der Bundesfinanzminister.