Rosenkrieg um den Schadenfreiheitsrabatt

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Klar: Man kann den Scheidungskrieg auch übertreiben. Es muss dann nicht mit dem finalen Sturz vom Kronleuchter enden wie in der Hollywood-Farce „Der Rosenkrieg“. Oder wie erst jüngst in Berlin, als eine (betrogene?) Ex-Gattin ihrem Verflossenen das ihm gehörende halbe Auto auf den Kudamm stellte. Und das immerhin zu seinem Vorteil, schließlich hatte sie den Wagen an der B-Säule durchsägen lassen und ihm gnädigerweise den Part mit dem Lenkrad an den Straßenrand gestellt.

Aber inzwischen wird nicht mehr allein um das Sorgerecht für die Kinder oder mein Haus, mein Boot, mein Auto gestritten. Die Gerichte beschäftigen sich auch mit solch profanen Dingen wie dem gemeinsam erfahrenen Schadenfreiheitsrabatt. Zugegeben ein Streitgegenstand, der einiges Geld wert sein kann. Denn wer nach der Scheidung wieder ganz unten in der Versicherungsrabattstaffel anfangen und 125 Prozent der Versicherungsprämie zahlen muss, verliert im Laufe der Jahre eine Menge Geld im Vergleich zum Ex-Partner, der die Ergebnisse (vieler) unfallfreier Jahre in Form eines üppigen Schadenfreiheitsrabatts kassieren darf.

Das Landgericht Flensburg musste sich unlängst mit dieser Facette des Rosenkriegs auseinandersetzen: Der Wagen des einen Ehepartners war dummerweise nämlich auf den Namen des anderen versichert – eine Konstruktion, wie sie unter Eheleuten nicht unüblich ist, weil man so dank einer besser Schadenfreiheits-Einstufung das gemeinsame Haushaltskonto schont. Nach der Trennung führte das fast vorhersehbar zu Problemen: Denn während der eine die Versicherung mitsamt Auto mitnehmen wollte, sperrte sich die andere gegen die Übertragung der Versicherung.

Entschieden hat das Gericht (Aktenzeichen 1 T 30/06): Selbstverständlich kann der Ehepartner den Versicherungsvertrag mitnehmen. Vorausgesetzt, er ist das Auto in all den Jahren tatsächlich auch gefahren.