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Ende einer Testfahrt

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Es hätte ein so schöner Abend werden sollen: Ein paar Häppchen, ein netter Plausch unter Kollegen, ein Gläschen oder zwei oder drei oder vier vom guten Champagner (natürlich erst nach der Probefahrt!) und vor allem das: Mal so richtig Gas geben auf abgesperrter Strecke mit Audis neuem Supersportwagen R8.

So hatte sich das Audi-Zentrum Bamberg den späten Samstagabend gedacht bei der Präsentation des mehr als 100.000 Euro teuren, 420 PS starken und 301 km/h schnellen Autos. Acht Zylinder, 4,2 Liter Hubraum, von null auf 100 in 4,6 Sekunden. Dafür hatte man in einem Gewerbegebiet der fränkischen Stadt eine Strecke absperren und markieren lassen. Doch nach kurzer Zeit war Schluss mit lustig. Denn schon der vierte Testfahrer setzte das Gefährt mit der Testfahrt-Zulassung BA-04788 in die Botanik. Was in diesem Fall sehr wörtlich zu nehmen ist, denn irgendwie muss der Fahrer beim Tritt aufs Gaspedal ein wenig die Kontrolle übers Auto verloren haben. Die örtliche Tageszeitung, der Fränkische Tag, beschreibt das sehr plastisch:

„Nachdem er bereits in der ersten Runde ziemlich Gas gegeben hatte, wie Beobachter schildern, durchbrach er in Runde 2 bei einem Nachbarn, einem Großhandel für Gemüse, die Umzäunung, mähte ein Schild nieder und kam erst unter einem Lastwagen zum Stehen. Fahrer und Beifahrer, ein Journalist und ein Mitarbeiter der Motor-Nützel GmbH, blieben zum Glück unverletzt. Die Testfahrten wurden abgebrochen, der demolierte Bolide in die Garage bugsiert.“

Passiert ist, zum Glück, beiden Crashpiloten nichts. Das Auto erlitt erhebliche Blessuren an Kühlerhaube und Kühlergrill, auch die Außenspiegel mussten nach Aussage der Tageszeitung einzeln wieder eingesammelt werden. Für die Testfahrer in Spe, die noch nicht in den Genuss einer schnellen Runde gekommen waren, war der Abend zumindest sportwagentechnisch erledigt, sie mussten sich fortan mit Häppchen und Kaltgetränken zufrieden geben. Zu den glücklichen großen Jungs, die’s krachen lassen konnten, gehörte die örtliche Politprominenz. Der Bamberger Oberbürgermeister Andreas Starke wird im Fränkischen Tag so zitiert:

Nach einer Fahrt mit 230 Sachen zeigte sich Andreas Starke noch begeistert: „Als ich bei der zweiten Runde richtig voll Gas gegeben habe, spürte ich Adrenalin pur. Es war einfach unglaublich.“

Die Mechaniker bei Audi können jetzt schon mal üben, den Konkurrenten von Lamborghini, Porsche & Co. zu reparieren. Dass bei der Präsentation von noblen Sportwagen Späne fallen, kommt öfter einmal vor. Bei der Vorstellung der Mercedes SL-Vorgängergeneration testete ein Mitarbeiter des Fachblatts auto, motor und sport, ob der zu dieser Zeit innovative Überrollschutz tatsächlich auch so schnell reagierte wie versprochen (er reagierte).

Dass auch Vorstände teures Blech schrotten, demonstrierte der damalige BMW-Mann Bernd Pischetsrieder mit einem demolierten McLaren F1, den er 1995 irgendwo im Rosenheimer Land aus der Kurve warf.

Vermutlich schlicht einen Tick zu langsam unterwegs. Oder so.

Audi R8