Aufreger

Freiparkschein

Dort zu parken, wo alle anderen es nicht dürfen, das übt schon einen großen Reiz aus. Nur ein paar Meter ins Kino oder zum Szene-Italiener, das hat was. Darüber hinaus auch kostenlos, der verkehrsgünstige Parkplatz, wenn da nicht die Herren und Damen in der zumeist blauen Uniform wären.

Knöllchen, wie der Rheinländer die lästigen und inzwischen auch teuren Strafzettel nennt, lassen sich aber vermeiden. Nein, nicht durch regelkonformes Parken, sondern durch ein kleines Schild im Auto. Glauben zumindest die besonders dreisten Falschparker.

Indiskretion Ehrensache, Medienblog des Handelsblattes, schämt sich aktuell fremd für Kollegen, die das Presseschild nutzen, um verboten oder gar verboten schlecht zu parken. Möglicherweise handelt es sich dabei tatsächlich um Journalisten, die immer noch davon träumen, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Kojak-Leuchte aufs Dach zu kleben und mit Blaulicht am Stau vorbeizubretzeln. Und mangels dieser Gelegenheit auf das Presseschild ausweichen und mal dort parken, wo es verboten ist. Vielleicht sind es aber auch nur Schlaumeier, die sich im Internet ein nachgemachtes oder echtes Schild für teuer Geld erkauft haben im Glauben an die Zauberwirkung.

Der Glauben an solche kleinen Helfer hinter der Windschutzscheibe ist weit verbreitet. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) musste schon vor Jahren feststellen, dass im Internet ein schwunghafter Handel mit Aufklebern betrieben wird. Besonders gefragt: Der Sticker mit dem GdP-Stern, der rund neun Zentimeter im Durchmesser hat und deshalb schon von weitem erkannt werden kann, wie die Internetdealer werben. Den kann man aktuell zum Beispiel bei eBay ersteigern, im Doppelpack zum Startpreis von 1,99 Euro, oder per Sofortauf für einen glatten Fünfeuro-Schein. Der Anbieter hat natürlich nur das Geld des Käufers im Sinn nur hehre Ziele:

„Man sagt…er kann wahre Wunder vollbringen…bekunden sie ihre Solidarität mit der Polizei…“

Solche Aufkleber werden auf der Homepage der Organisations- und Servicegesellschaft der Gewerkschaft (OSG) für deutlich kleineres Geld angeboten: 22 Cent das Stück, und wer mit dem kleinen Sticker von drei Zentimetern zufrieden ist, erhält gleich 16 Stück für einen Euro. Besser: erhielt. Denn der Verkauf ist via Web nicht mehr möglich. Polizisten, die sich einen solchen Sticker ins Auto kleben möchten, müssen sich bei ihrem örtlichen Verband melden und dort kaufen. Kontrollierte Abgabe nennt man das in anderem Zusammenhang.

Im Web bestellen lassen sich indes weiter interessante Gewerkschafts-Werbemittel: zum Beispiel das Kondom, angepriesen mit der originellen Headline „Mit Sicherheit durchstarten“.

Ganz aus dem Programm genommen hat die Gewerkschaft den Kennzeichenträger. Der Halter für das Nummernschild, erhältlich für 1,45 Euro, signalisierte der Politesse oder dem Streifenbeamten mit dem Spruch „…immer auf der sicheren Seite – www.gdp.de“, dass hier offensichtlich gerade ein Kollege für einen Strafzettel aufgeschrieben wird.

Wobei natürlich ein Schelm ist, wer auch nur ansatzweise etwas Schlechtes dabei denkt, wenn die Polizeigewerkschaft Werbematerialien anbietet, die ausdrücklich dafür gedacht sind, aufs Auto geklebt oder daran festgeschraubt zu werden. Selbstverständlich parken Polizisten nicht im Parkverbot. Und wenn doch, lassen sich die Kollegen im Dienst nicht davon abhalten, einen solchen Verstoß zu ahnden.

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